Die meistunterschätzten Alben aller Zeiten: Lucinda Williams – „Sweet Old World“


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Wenn „Sweet Old World“ einen Ma­kel hat, dann, dass es zwischen die kanonisierten Meisterwerke „Lucinda Williams“ (1988) und „Car Wheels On A Gravel Road“ (1998) fällt.

An der Qualität der Songs kann es jeden­falls nicht liegen, dass dieses Album bei vielen Fans und Kritikern einen geringeren Stellenwert hat als andere Williams­-Werke.

Gedanken über zerbrochene Liebe und die Vergänglichkeit vertrauter Gefühl

Womöglich fehlt manchen der scharfzüngige Ton, das gallige Liebeslied. Das ersetzt die Americana­-Erbin hier durch empathi­sche Betrachtungen über den Tod von Bekannten und Freunden, über die Einsamkeit in der Menge und die laute Stille in Hinterzimmern, über zerbrochene Liebe und die Vergänglichkeit vertrauter Gefühle.

Alle Wut, aller Sarkasmus sind verbannt aus diesem spätsommerlichen Schwanengesang. „Something About What Happens When We Talk“, „He Never Got Enough Love“, „Pineola“ und „Side­walks Of The City“ wirken wie schwermütige Seufzer aus der Feder von Carson McCullers oder Raymond Chandler.


Die meistunterschätzten Alben aller Zeiten

Ohne Konzerte und Festivals fanden wir uns plötzlich abends auf unsere Plattensammlungen zurückgeworfen und stellten fest: Oft sind es nicht die kanonisierten Klassiker, die man besonders gern auflegt.

Stattdessen sind es Alben im Katalog eines lieb gewonnenen Künstlers, die man ganz für sich allein zu haben scheint, weil der Rest der Welt sie verschmäht oder gar schon vergessen hat – missverstandene Geniestreiche, verkannte Meisterstücke, vernachlässigte Schlüsselwerke und Platten, die einfach viel besser sind als ihr Ruf und eine Neubewertung verdienen.